Erklärung des Verbands vietnamesischer Katholiken für Information und Kommunikation



Der Monat Mai ist in der katholischen Kirche der Verehrung der Hl. Maria, der Mutter Gottes, gewidmet. Für die vietnamesischen Katholiken ist dies ein besonderer Anlass, ihre Aufmerksamkeit dem Wallfahrtsort La Vang zuzuwenden, wo Maria auf wunderbare Weise die verfolgten Christen geschützt und gerettet hat. Wie unsere Vorfahren, so wollen auch wir die Hl. Mutter bitten, unsere Kirche und unser Heimatland zu trösten und zu schützen, damit alle Vietnamesen in echter Freiheit und Gerechtigkeit leben können. In dieser Zeit denken wir auch mit Gebeten und Erinnerungen an unser Land, das am 30. April 1975 vollständig unter kommunistische Herrschaft gefallen ist. Als Vertreter des Verbands vietnamesischer Katholiken für Information und Kommunikation – wir sind Priester, Ordensleute und Laien – wollen wir alle die Menschen ehren, die ihr Leben im Kampf für echte Demokratie und Freiheit in Vietnam verloren haben, ebenso wie die Flüchtlinge, die auf hoher See oder auf ihrem Fluchtweg in Laos und Kambodscha umgekommen sind. Außerdem wollen wir der Gefangenen gedenken, die in kommunistischer Gefangenschaft sowohl in Nord- als auch in Südvietnam zu Tode gekommen sind.

In diesem Sinn sind wir der Überzeugung, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, um (1) uns im Gebet zusammenzufinden, (2) Gott für seine Gnade zu danken und unsere Dankbarkeit den Ländern gegenüber auszudrücken, die vietnamesische Flüchtlinge so großzügig aufgenommen haben, (3) unsere Verbundenheit mit der katholischen Kirche in unserer Heimat und mit unserem Vaterland zu zeigen und (4) unsere Solidarität und unsere Freundschaft mit allen Vietnamesen in der ganzen Welt zu bezeugen.

1 - Im Gebet zusammenfinden

In den vergangenen Tagen haben die vietnamesischen katholischen Gemeiden in der ganzen Welt für unser Heimatland und für unsere Landsleute gebetet, damit bald echter Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte, insbesondere aber Meinungs- und Religionsfreiheit für alle Vietnamesen Wirklichkeit werde. Wir haben auch ganz besonders für diejenigen gebetet, die den Mut haben und hatten sich für Freiheit und Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, wie zum Beispiel Pfarrer Thaddeus Ngyuen Van Ly und andere, die in letzter Zeit von den Kommunisten verfolgt, unterdrückt, festgenommen und gefoltert worden sind. Wir verurteilen aufs strengste die ungerechten Gerichtsverfahren der vietnamesischen Kommunisten, die Absonderung, Verfolgung und Vernichtung dieser Freiheitskämpfer zum Ziel haben. Mögen die Opfer dieser mutigen Menschen echte und immerwährende Freiheit für Vietnam wiederbringen!

2 - Dankbarkeit gegenüber den Ländern, die vietnamesische Flüchtlinge so großzügig aufgenommen haben

Die vietnamesischen Gemeinden integrieren sich an ihren neuen Wohnorten vorbildlich und erreichen beste Leistungen auf vielen Gebieten des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Ihre Erfolge sind das Ergebnis der Opferbereitschaft der Eltern und Familien, ebenso wie der Freundlichkeit und Offenheit der Aufnahmeländer. Der vietnamesischen Jugend im Ausland steht eine vielversprechende Zukunft in diesen neuen Ländern bevor.

Als Erben der tiefen Religiosität der vietnamesischen Märtyrer beweisen heute die vietnamesischen Gemeinden in der ganzen Welt diese feste Glaubenskraft ihrer Vorfahren durch ihr tägliches Leben als Katholiken. So haben schon mehrere Bischofskonferenzen sie ausdrücklich gelobt für ihren lebhaften und fruchtbaren Glauben. Es ist also an der Zeit, dass wir uns aktiv in unseren neuen Gemeinden engagieren und unseren Teil beitragen sowohl zur örtlichen Kirche als auch zur Kirche im Heimatland Vietnam.

3 - Verbundenheit mit der katholischen Kirche in unserer Heimat und mit unserem Vaterland

Vor 1975 waren wir stolz darauf, dass Südvietnam eines der best entwickelten Länder in der Region war. Heute, nach 32 Jahren diktatorischer Herrschaft der Kommunisten, leben viele unserer vietnamesischen Brüder und Schwestern immer noch in Armut, Hunger und Bildungsrückstand. Die Moral der Gesellschaft ist verkommen. Korruption und Machtmissbrauch der roten Kapitalisten sind zügellos. Das Bildungssystem verfällt, es dient jetzt nicht mehr der Entwicklung der Menschen sondern ausschließlich den Interessen des Regimes. Religiöse Gemeinschaften werden verfolgt, gespalten oder ausgelöscht.

Dank des Zeugnisses der vietnamesischen Märtyrer und des unbeugsamen Glaubens unserer Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien hat die katholische Kirche in Vietnam unbeirrt ihre katholische Identität bewahrt. Unsere Kirche hat sich dem Regime nicht untergeordnet und ist nicht, wie in China, nationalisiert worden.

Wir müssen anerkennen, dass in den vergangenen 32 Jahren unsere vietnamesischen Bischöfe unaufhörlich Religionsfreiheit und Menschenrechte für Vietnam von den kommunistischen Herrschern eingefordert haben.

Vor kurzem hat Bischof Paul Nguyen Van Hoa, Vorsitzender der vietnamesischen Bischofskonferenz, in einem Interview erklärt:

Jedes Jahr finden Begegnungen zwischen Vertretern der Bischofskonferenz und des Staates statt. Dabei sprechen wir mit den entsprechenden Behörden Themen an wie Religionsfreiheit, Verfall der Moral, Erziehung der Jugend, gleiche Rechte für alle Bürger und Gerechtigkeit. In der Tat sind wir die Einzigen, die es wagen, diese Fragen mit ihnen zu erörtern, und wir werden das auch weiterhin tun.“ Auf diese Weise musste das kommunistische Regime diese Probleme zur Kenntnis nehmen und die konstruktive Rolle unserer katholischen Kirche anerkennen.

Es gibt aber auch einige kleine Hoffnungsschimmer: kürzlich ist Premierminister Nguyen Tan Dung nach Rom gereist und hat Papst Benedikt XVI getroffen; Vietnam ist in die WTO aufgenommen worden; Fortschritte bei der jüngsten Reise einer Delegation des Vatikans nach Vietnam.

Aber bedauerlicherweise haben wir seit mehr als einem Monat feststellen müssen, dass einige Vietnamesen im Ausland unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit in Interviews und anderen Veröffentlichungen die vietnamesischen Bischöfe kritisieren, anstatt die wahren Täter, die vietnamesischen kommunistischen Machthaber, anzugreifen. Diese Kritiker sind wahrscheinlich der Meinung, dass die Bischöfe das Regime nicht in dem Sinn angegriffen haben, wie die Kritiker es für richtig halten würden.

Wir solidarisieren mit allen, die den Kampf für Gerechtigkeit, Menschenrechte, Freiheit und Demokratie in Vietnam energisch unterstütze. Wir stellen auch fest, dass die Geschichte gezeigt hat, dass es unterschiedliche Arten des Kampfes gibt, um Freiheit und Demokratie zu erreichen. Für diese große Aufgabe sollten wir mit vereinten Kräften vorgehen. Gemeinsam werden wir schneller erreichen, dass unsere Landsleute in Freiheit leben können. Also bekräftigen wir erneut unseren Standpunkt, dass wir der vietnamesischen katholischen Kirche und unseren Bischöfen unsere vollste Unterstützung verleihen.

Lasst uns gemeinsam beten für unsere Bischöfe, so dass sie ihre pastoralen und prophetischen Aufgaben unter Führung des Heiligen Geistes erfüllen können. Angesichts der bedrohlichen Lage des Landes bleibt die Kirche immer mit dem Volk verbunden, sei es in Freude und Hoffnung oder in Angst und Sorge, wie es die pastorale Konstitution Gaudium et Spes bekräftigt:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden“ (Gaudium et Spes, Nr. 1)

Lasst uns auch die Worte unseres geliebten Papstes Johannes Paul II anlässlich der Heiligsprechung der 117 vietnamesischen Märtyrer ins Gedächtnis zurückrufen:

Liebe vietnamesische Katholiken, wir wollen euch heute gern wiederholen, dass das Blut der vietnamesischen Märtyrer vor allem für euch die Gnadenquelle ist, damit euer Glaube immer weiter gefördert werde. Bei euch sollte der Glaube eurer Vorfahren weitergelebt und auch an die Generationen der Zukunft weitergegeben werden. Dieser Glaube sollte als das feste Fundament bleiben, damit ihr als Jünger Christi, eure Treue zu euerem Vaterland darauf bauen könnten. Das Wohl des Landes ist sicherlich eine Aufgabe aller christlichen Bürger, aber diese Bürger sollten auch die Freiheit haben dürfen, die Wahrheit Gottes frei zu bekennen und mit ihren Hirten und ihren Brüdern und Schwestern im Glauben verbunden zu sein. Und so können sie in Frieden mit allen Mitbürgern leben und aufrichtig ihren Beitrag leisten zum Wohle des ganzen Landes.“

Gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl und in Übereinstimmung mit der vietnamesischen Bischofskonferenz, mit der Weltkirche, mit allen Nationen und Organisationen, die Freiheit und Demokratie auf ihre Fahnen geschrieben haben, fordern wir die vietnamesischen kommunistischen Machthaber auf, die Religionsfreiheit zu achten und alle legitimen Forderungen der katholischen Kirche in Vietnam zu erfüllen:

  • Rückgabe aller konfiszierten Eigentümer, insbesondere des Sitzes der Apostolischen Delegation in Hanoi, sowie die Grundstücke des Wallfahrtsortes La Vang, damit letzteres als Pilgerzentrum für die gesamte Kirche des Landes ausgebaut werden kann.
  • Wiedereinführung des souveränen Rechts der Kirche, Kandidaten für Priesterseminare auszusuchen, Priester zu weihen und Bischöfe zu wählen; außerdem muss die Kirche ein Mitspracherecht bei der Bildungsarbeit haben, indem sie u.a. Schulen gründet, um die Jugend zum Gemeinwohl des Landes und der Kirche auszubilden.
  • Anerkennung des Rechts der Kirche, sich in karitativen und sozialen Tätigkeiten zu engagieren, sie soll z.B. Krankenhäuser, Waisenhäuser, Sozialstationen errichten dürfen im Dienst an Armen und Notleidenden.
4 - Solidarität und Freundschaft mit Vietnamesen in der ganzen Welt

Vietnam gehört allen Vietnamesen. Der Aufbau und der Dienst am Vaterland ist die Aufgabe jedes Bürgers. Niemand – keine Partei, keine politische Organisation, – hat das Recht, im Namen welcher Ideologie oder welches Idealismus auch immer, allein das Land zu regieren und sich mit dem Vaterland gleichzustellen, wie der Sozialismus und die vietnamesische kommunistische Partei dies immerzu tun.

Wir, die katholischen Vietnamesen im Ausland, sollen uns unserer Aufgaben und Verantwortung klar bewusst sein:

  • (1) Wir sollen das heroische Vermächtnis unserer Vorfahren bewahren, unschätzbare Traditionen in Sprache und kulturellen Werten entwickeln und weitergeben an die nachfolgenden Generationen.
  • (2) Wir sollen uns gemeinsam mit allen Bürgern des Landes für Freiheit und Demokratie engagieren, aktiv all diejenigen unterstützen, die sich in Vietnam für Menschenrechte mutig einsetzen, insbesondere für Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit sowie die freie Wahl eines politischen Systems.
  • (3) Wir sollen fest zu unserem Glauben und zu unserer Kirche stehen und in allen Situationen als lebende Zeugen des Evangeliums zum Fortschritt unserer Kirche und unseres Vaterlandes beitragen.
Wir bitten um die Fürsprache unserer Lieben Frau von La Vang. Möge Gott unser Heimatland und das vietnamesische Volk segnen.

Manila, Philippinen, 1. Mai 2007

Vertreter des Verbands vietnamesischer Katholiken für Information und Kommunikation

(Unterschrieben)

  • Prälat Nguyen Van Tai, Direktor von Radio Veritas Asia, Vorsitzender
  • Pfarrer Tran Cong Nghi, Direktor des Vietcatholic-Netzes, Stellvertretender
  • Pfarrer Nguyen Duc Viet Chau, Direktor der Zeitschrift Dan Chua in USA
  • Pfarrer Bui Thuong Luu, Direktor der Zeitschrift Dan Chua in Europa
  • Pfarrer Nguyen Huu Quang, Direktor der Zeitschrift Dan Chua in Australien
  • Pfarrer Tran Cao Tuong, Direktor des Dunglac-Netzes
  • Pfarrer Pham Van Tue, Vorstandsmitglied
  • Pfarrer Nguyen Ngoc Chuan, Vorstandsmitglied
  • Herr Dang Minh An, Vorstandsmitglied
  • Herr Nguyen Duc Cung, Vorstandsmitglied
  • Herr Pham Hop, Vorstandsmitglied
  • Frau Nguyen Kim Loan, Vorstandsmitglied
  • Frau Luong Bich Vi, Vorstandsmitglied